Sängerin Alin Coen: Mehr Frauenpower ins Musikbusiness

Im Interview

Im OK!-Interview spricht die Sängerin Alin Coen, 38, über ihr neues Album "Nah", wie sie sich mit dem Verein "Music Women* Germany" für mehr Frauenpower in der Musikbranche einsetzt und vieles mehr …

Alin Coen ist wieder da

Die Sängerin Alin Coen veröffentlicht nach sieben Jahren mit "Nah" ein neues Album. Gleichzeitig macht sich die Musikerin als Mitgründerin von "Music Women* Germany" für mehr Frauen in der männerdominierten Musikbranche stark. Wir sprachen mit Alin Coen im OK!-Interview:

Sieben Jahre haben Deine Fans auf dieses dritte Studioalbum gewartet. Was ist in der Zeit passiert?

Ich habe 2014 gedacht, dass ich nicht mehr Musikerin sein möchte, weil ich es plötzlich nicht mehr als sinnstiftend empfand. Ich dachte, es wäre besser, wenn ich Umweltaktivistin wäre. Also begann ich 2015 ein Master-Studium in Holland: Land and Water Management. Nach einem Jahr Uni-Kursen machte ich ein Praktikum bei Greenpeace. 2017 bin ich Mama geworden. Allerdings ging ich schon ziemlich bald wieder auf Tour. Mein Sohn war zwei Monate alt, als ich wieder auf der Bühne war. Auf meiner Tour 2017 entwickelte ich den Wunsch, wieder ein Album zu machen. Für meine noch ausstehende Master-Arbeit habe ich theoretisch noch bis 2025 Zeit.

Das letzte Album "We're not the ones We thougt we were" enthielt fast nur englische Songs, auf "Nah" sind alle Songs auf Deutsch. Wie hast Du die deutsche Sprache für Dich als Musikerin entdeckt?

Ich habe auch auf dem ersten Album (2010) und unserer darauf folgenden EP (2011) schon etwa die Hälfte der Songs auf deutsch geschrieben, also war mir das schon vertraut. Dass es auf diesem Album nur noch deutschsprachige Stücke sind, ist unter anderem dem Umstand geschuldet, dass ich kaum noch Englisch als Alltags-Sprache benutze. Das war mal anders. Meine ersten Lieder waren auf Englisch. Ich lebte damals, als ich sie schrieb in Schweden und meine Kommunikationssprache war in Ermangelung besserer Schwedisch-Kenntnisse einfach Englisch. Dass ich zum ersten Mal ein Lied auf Deutsch schrieb, lag daran, dass ich mich 2004 auf den Kontaktstudiengang Popularmusik bewerben wollte und mir eine Freundin riet, dass es bei der Jury gut ankäme, wenn man auch ein eigenes Lied in deutscher Sprache vorspielen könne. Ein sehr pragmatischer Grund. Es hat geholfen. Ich konnte damals am Kurs teilnehmen.

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Ist das Album "Nah" wieder mit der 2007 gegründeten Alin Coen Band eingespielt, oder trittst Du jetzt als Solo-Musikerin auf?

Ich bin immer schon auch solo unter meinem Namen aufgetreten. Zwei meiner Alin Coen Band Mitbegründer sind aber auch jetzt auf dem neuen Album dabei. Die Tour, die von November auf kommendes Jahr verschoben wurde, soll mit insgesamt 5 Musiker*innen auf der Bühne stattfinden.

Was erwartet uns auf "Nah"?

Nähe. Also wirklich auf eine Art und Weise.

Neues Album "Nah"

Was möchtest Du mit Deinen Songs erreichen?

Ein Feedback, was ich manchmal bekomme ist, dass Leute sagen, ich würde in Worte fassen, was ihnen noch als Chaos wirr im Kopf herumschwirrt. Auch bekomme ich manchmal von Leuten Dank, weil sie das Gefühl haben, dass die Musik ihnen gut tut oder hilft durch schwierige Situationen zu kommen. Wenn ich sowas als Feedback bekomme, dann denke ich, dass das alles richtig so ist, mit der Musik und dass ich in meinem Beruf eigentlich gut aufgehoben bin.

Wie lebst Du privat? Hast du Haustiere? Hobbies?

Ich habe eine Familie, keine Haustiere und seit Corona auch keine Hobbies mehr. Davor hätte ich gesagt, war Tanzen mein Hobby. Streetdance und Hiphop habe ich wirklich sehr geliebt.

Hast Du Lieblingslieder?

Ja, von Björk "Venus as a Boy", von Moloko "The time is now", von Alt-J "Taro" und von Joni Mitchell "A Case of you".

Verein "Music Women* Germany"

Du hast den Verein „Music Women* Germany“ mitgegründet. Was ist euer Ziel?

Wir sind ein Netzwerk, das sich für mehr Sichtbarkeit von Frauen* (das Sternchen steht für alle Menschen, die sich als weiblich identifizieren) in der Musikbranche einsetzt. Herzstück unserer Seite ist eine Datenbank, auf der Frauen*, die im Musikbusiness tätig sind, ein Profil anlegen können. Toningenieurinnen*, Marketingspezialistinnen*, PR-Agentinnen*, Veranstalterinnen*, Musikerinnen*, alles was die Branche so braucht. Diese Datenbank ist auch da, um das Argument "Wir haben eine Frau für den Job gesucht, aber keine gefunden, daher haben wir die Stelle männlich besetzt" auszuhebeln. Unser Ziel ist die Gleichberechtigung von Frauen und Männern in der Musik-Branche. Davon sind wir aber noch ein ordentliches Stück entfernt, wie man erkennen kann, wenn man sich anguckt, wer die oberen Führungsposten belegt, wie wenige Frauenstimmen im Radio gespielt werden und wie wenige Bands mit Frauenanteil auf Festivals spielen.

Hört mal bei #musicwomenwedensday auf Instagram und Spotify rein (und folgt dem Hashtag auf Instagram!). Da gibt es so tolle Musikerinnen zu entdecken. Das ist eine Challenge die ich gestartet habe.

Spürst Du als Musikerin die Auswirkungen der Corona-Pandemie?

Klar. Alle Konzerte, die für 2020 geplant waren wurden verschoben. Somit sind natürlich auch alle Einnahmen, die mit den Konzerten verbunden gewesen wären, bisher für mich ausgefallen. Und ob die Konzerte 2021 so wie geplant stattfinden können, steht ja auch noch in den Sternen. Wobei ich sehr hoffnungsvoll bin, dass wir Lösungen finden, um das möglich zu machen.

Liebe Alin, vielen Dank für das Gespräch!