ESC 2026: "In der Höhle des Löwen" – Israels Kandidat Noam Bettan unter massivem Polizeischutz

Die Vorbereitungen für das größte Musikereignis der Welt laufen auf Hochtouren, doch politische Spannungen überschatten den Eurovision Song Contest 2026 in Wien. Besonders für die israelische Delegation rund um den Sänger Noam Bettan gleicht die Teilnahme einem riskanten Drahtseilakt. Während die musikalische Qualität seines Beitrags "Michelle" im Fokus stehen sollte, dominieren Sicherheitsvorkehrungen und die Sorge vor Protesten die Schlagzeilen.

Noam Bettan beim ESC 2026 Proben
© EBU / Corinne Cumming

ESC 2026: Sicherheits-Matrix für Israel-Kandidat Noam Bettan

Am 16. Mai 2026 ist es wieder so weit und das mit Spannung erwartete Finale des "Eurovision Song Contest" 2026 findet statt. Nach dem Sieg von JJ im Jahr 2025 wird der Wettbewerb in diesem Jahr in der österreichischen Hauptstadt Wien ausgetragen. Unbedingt für das große Finale qualifizieren möchte sich unter anderem Noam Bettan (28), der für Israel mit seinem Song "Michelle" an den Start geht. Für den Musiker gelten jedoch aufgrund der anhaltenden Spannungen im Nahost-Konflikt ganz besondere Sicherheitsmaßnahmen für seinen gesamten Aufenthalt in Österreich, wie "OE.24" berichtete. Unter anderem wird streng geheim gehalten und nicht öffentlich gemacht, wo genau die israelische Delegation während der Wettbewerbstage untergebracht wird. Auch bei jedem Transport in die Wiener Stadthalle wird genauestens kontrolliert. Das enge Schutzkonzept sowie die damit verbundene psychische Anspannung ist bei Noam Bettan selbst stark zu spüren. So zitierte die "Jüdische Allgemeine" den Sänger über sein Seelenleben: "Es ist, als würde man sich in die Höhle des Löwen begeben."

ESC 2026: Training gegen den Hass – Noam Bettan trainiert mit Buhrufen

In den vergangenen zwei Jahren hatten es die israelischen Kandidaten beim Wettbewerb nicht einfach. Sowohl Yuval Rapael (25) als auch Eden Golan (22) waren während ihrer jeweiligen Performances in den Live-Shows lautstarken Buhrufen ausgesetzt, was international für heftige Diskussionen sorgte. Damit Noam Bettan in einem solchen Fall nicht aus der Ruhe gebracht wird und seine Konzentration verliert, wendet er eine ungewöhnliche Methode an: Er übt seinen Song bereits jetzt, während sein eigenes Team ihn gezielt ausbuht. Gegenüber der "Bild" erklärte der Musiker: 

Bei den Proben habe ich ein Team, das ständig darauf achtet, mich auszubuhen und es mir schwer zu machen – das hilft mir tatsächlich sehr. Ich bin wirklich von einem großartigen Team umgeben. Sie kennen mich in- und auswendig, sie sind hier, unterstützen mich und helfen mir. Ich versuche einfach, mich auf die Proben und meine Performance auf der Bühne zu konzentrieren – und es zu genießen.

Durch diese psychologische Vorbereitung hofft Bettan, trotz der feindseligen Atmosphäre, die ihn in der Wiener Stadthalle erwarten könnte, sich ganz auf die Musik besinnen zu können.

Verwendete Quellen: OE.24; Bild; Jüdische Allgemeine

Boykott-Diskussionen beim ESC 2026

Die Teilnahme Israels am Eurovision Song Contest 2026 in Wien sorgt, wie bereits in den Vorjahren, für erhebliche politische Spannungen innerhalb der Fan-Gemeinde und unter den teilnehmenden Ländern. Aufgrund des anhaltenden Nahost-Konflikts fordern verschiedene Gruppierungen und Fan-Verbände den Ausschluss Israels vom Wettbewerb. Während die EBU (European Broadcasting Union) an der Teilnahme Israels festhält, gibt es in mehreren Teilnehmerländern öffentliche Debatten und Petitionen, die einen Boykott der Veranstaltung fordern, sollte Israel auf der Bühne stehen.