Beziehungsstatus Mingle - Was ist das denn nun schon wieder?

Der neue Trend zur Unverbindlichkeit

Das M liegt auf der Tastatur zu weit entfernt vom S, als dass es sich um einen Schreibfehler handeln könnte. Wie bitte, Mingle? Der Trendbegriff schwirrt uns in letzter Zeit immer öfter vor die Nase. Die Wortkreation aus „Mixed“ und „Single“ beschreibt den Trend zur nicht festgelegten Partnerschaft.

Single oder Mingle, so groß ist der Unterschied eigentlich gar nicht. Heute wird versucht, die jeweiligen Vorzüge aus dem Singledasein und einer Beziehung unter einen Hut zu bringen. Heraus kommt eine Art offene Partnerschaft, ohne große Verbindlichkeiten oder Verpflichtungen.

Offene Beziehung 2.0

Reinhold Popp, wissenschaftlicher Leiter des Zentrums für Zukunftsstudien in Salzburg äußert sich zu dem Thema folgendermaßen:

Es gibt ein Spannungsfeld zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Die Sehnsucht nach einer Beziehung ist da, wenn sich aber Komplikationen auftun, lebt man lieber noch ein wenig länger sein buntes Leben.

 

Sich nicht festlegen zu müssen nimmt Vielen den Druck, ständig verfügbar zu sein oder Kompromisse zu schließen. Mingle Partner treffen sich unverbindlich, um miteinander auszugehen, gemeinsamen Freizeitaktivitäten zu frönen, aber auch für den leidenschaftlichen Sex miteinander. Alles ganz ohne Zwang. Immerhin könnte einem ja irgendwann jemand noch tolleres über den Weg laufen. Der Mingle lässt sich hier immer eine Hintertür offen.

Die Begriffe „Fuckbuddy“ oder „Friends with Benefits“ waren bisher eher für eine reine Affäre reserviert. Zwangloser Sex, aber auch nicht mehr. Ein Mingle ist jedoch für mehr bereit. Er sucht ganz klar nach dem sozialen Kontakt, der über eine bloße Sexbeziehung hinausgeht. Die Grenzen zwischen „single“ und „vergeben“ verschwimmen. Denn wirklich „zusammen“ sind Mingle-Partner ja nicht. Und eigentlich muss dann ja auch nicht „Schluss gemacht“ werden. Ein weiterer Vorteil also.

Ja, nein, vielleicht

Auf der einen Seite steht der Wunsch nach Freiheit, Abenteuer und Selbstverwirklichung. Auf der anderen Seite möchte keiner gerne alleine sein. Als Mingle spielt Bindungsangst keine Rolle mehr. Wem es zu eng wird, der kann auch ganz schnell wieder einen Rückzieher machen oder sich einfach ganz „aus der Affäre ziehen“ und die unverbindliche Verbindung beenden.

Die ewige Liebe ist für viele heute einfach nicht mehr vorstellbar. In Zeiten, in denen einige selbst schon in einer Patchworkfamilie groß geworden sind, ist ein einziger Lebenspartner kaum noch realistisch. Mit dem Mingle-Dasein können dann zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden. Ein kuscheliger DVD-Abend zuhause, händchenhaltend Spazierengehen, toller Sex. Aber auch mal Zeit für sich, ein paar Tage Funkstille ohne sich melden oder rechtfertigen zu müssen, bloß nichts Festes: der Mingle pickt sich einfach die Rosinen aus dem Beziehungskuchen.

Einer hofft, der andere sucht?

„Es ist kompliziert“ war gestern. Heute ist man Mingle. Ob das Beziehungsleben durch die neue Unverbindlichkeit jedoch einfacher wird, ist nicht automatisch der Fall. Keine Frage, viele entscheiden sich ganz bewusst für eine offene Partnerschaft und führen dabei eine glückliche Beziehung. Doch bei der ganzen Offenheit bleibt vieles oft auch unausgesprochen und oberflächlich. Die Ungewissheit kann auch eine Belastung sein.

Lisa Fischbach, Diplom-Psychologin bei Elite Partner sagt dazu:

Wo kaum mehr etwas durch Zwänge bestimmt oder gesellschaftlich angebahnt wird, wird es immer wichtiger, sich zu entscheiden – für einen Partner oder eine Beziehungsform

 

Dabei sind vor allem Jüngere, im Alter bis 30 Jahre in ihrem Lebenswandel noch stark auf sich selbst fixiert. Zu experimentieren, sich ausprobieren, die eigene Karriere – solche Dinge stehen stark im Vordergrund. Zudem ist auch auf dem Arbeitsmarkt eine hohe Flexibilität gefordert. Wer an einem anderen Ort den Traumjob angeboten bekommt, tut sich ohne feste Bindung leichter, in eine neue Stadt zu wechseln.

Dennoch kommen bei vielen irgendwann größere Gefühle auf. Sobald einer von beiden Partnern mehr möchte, fangen auch hier die Probleme an. Oft wird gerade wegen der Unverbindlichkeit wenig über die eigene Gefühlslage gesprochen. Und wenn dann von einer Seite das Wort „verliebt“ fällt, schrillen beim anderen direkt die Alarmglocken los. Bloß nix Festes! Ehrlichkeit und Offenheit sind deshalb auch bei diesem Beziehungsmodell wichtig. Wenn beiden Partnern klar ist, woran sie sind, kann meist der ganz große Herzschmerz vermieden werden.

Bin ich ein Mingle-Typ?

Doch was genau macht diese Beziehungsform denn nun aus? Suchen Mingles einfach den Reiz bei einem guten Sexpartner? Spielt Sex überhaupt die wichtigste Rolle bei dieser Art der Partnerschaft? Bin ich bereits Mingle, wenn ich mich regelmäßig mit jemandem treffe ohne Sex zu haben? Die Zeiten, in denen spätestens nach der ersten gemeinsamen Nacht eine gemeinsame Beziehung besiegelt war, sind längst vorbei.

Jeder sollte sich fragen, was einem persönlich wichtig ist. Bin ich nur auf der Suche nach gutem Sex? One Night Stands sind jedoch einfach nicht das Wahre auf Dauer? Brauche ich manchmal auch einfach jemandem nur zum Kuscheln? Finde auf Treffpunkt18.de heraus, wie gut Du über Sex Bescheid weißt, und welche Rolle er in Deinem Leben spielt. Auch andere Beziehungsformen wie Polygamie oder Polyfidelity bezeichnen mögliche Alternativen, die genügend Freiheit bieten, sich auszuleben.
 

Die Grenzen abstecken

Wer sich zu Beginn Gedanken über die eigenen Wünsche und Bedürfnisse macht, tut sich leichter, in einer Beziehung die Grenzen zu definieren. Trotz aller Unverbindlichkeit sollten für beide Partner zumindest die Regeln klar sein. Wer sich in einer Partnerschaft ständig Gedanken darüber machen muss, wo er eigentlich steht, wird auf Dauer sicher auch nicht glücklich werden.

Alles kann, nichts muss: Niemand ist davor gefeit, sich so richtig in den Partner zu verlieben. Wenn die Beziehung so schon gut funktioniert und offen über die Gefühle gesprochen werden kann, ist der oder die Richtige vielleicht doch schon gefunden.