Nach Gil Ofarims Dschungelcamp-Aussagen: Hotelmitarbeiter Markus W. bricht erstmals sein Schweigen

"Ofarim inszeniert sich wie ein Opfer, obwohl ich das bin": Nach zwei Wochen voller vielsagender Andeutungen im Dschungelcamp und hitziger Debatten von und rund um Gil Ofarim brach nun erstmals der Leipziger Hotelmitarbeiter Markus W. im Interview mit "Zeit" sein Schweigen. 

Gil Ofarim angespannt
Ein altes Video von Gil Ofarim geht viral – und das zeigt seine Reue.© Getty Images

Nach Gil Ofarims Dschungelcamp-Aussagen: Hotelmitarbeiter Markus W. spricht erstmals 

Im Dschungelcamp wollte Gil Ofarim (43) nicht im Detail auf seine - im Allgemeinen bekannt als - "Davidstern-Lüge" eingehen und berief sich nach diversen Konfrontationen immer wieder auf eine angebliche Verschwiegenheitsvereinbarungen. Dennoch machte er hier und da vielsagende Andeutungen, indem er beispielsweise darauf zu sprechen kam, dass die Bänder der Überwachsungskameras aus dem Hotel damals "nicht das Original" gewesen seien oder indem er Sätze sagte, wie: "Auch ich will 'ne Antwort. Vom deutschen Justizsystem." Einer, der sich bis heute nie öffentlich zu dem Thema geäußert oder Interviews zu den Beschuldigungen, er habe den Musiker aufgrund seiner Davidsternkette antisemitisch diskriminiert, gab, ist der Leipziger Hotelmitarbeiter Markus W., der sich aber nun - kurz nach Ofarims Dschungelcamp-Sieg - in einem Interview mit "Zeit Online" erstmals zu all den Geschehnissen äußerte. 

Markus W.: "Ist es denn nie vorbei?"

Dass Dschungelcamp habe er sich nach eigenen Angaben noch nie angesehen - auch die diesjährige Staffel mit Gil Ofarim nicht. Dennoch habe er die Schlagzeilen mitbekommen und sei immer wieder von Freunden und Familie darauf angesprochen werden. Warum sich Markus W. ausgerechnet jetzt äußert?

Ich habe immer darauf vertraut, dass in unserem Rechtsstaat die Wahrheit herauskommt. Und so war es ja auch. Gil Ofarim hat mir etwas unterstellt, was ich nie getan habe. Als wir uns deswegen schließlich vor Gericht wiedersahen, kamen seine Anwälte irgendwann auf mich zu. Sie sagten, dass Ofarim sich bei mir entschuldigen wollte - und fragten, ob ich unter diesen Umständen einer Einstellung des Verfahrens zustimme. Ich habe mich darauf eingelassen, auch weil ich die Sache endlich abschließen wollte. Nun aber machte Herr Ofarim zweifelhafte Andeutungen. Das wirkt für mich sehr befremdlich, es ärgert mich massiv und ich frage mich auch: Ist es denn nie vorbei?

Im weiteren Verlauf des Interviews schildert Markus W. den Vorfalls aus dem Oktober 2021 aus seiner Sicht und wie sich die Ereignisse nach Gil Ofarims Instagram-Video schließlich überschlugen - und wie man um seine Sicherheit fürchtete: "Man hatte große Sorgen, dass ich nicht mehr sicher bin. (...) Ich bin zur Polizei gegangen und habe Anzeige gegen Herrn Ofarim erstattet, wegen Verleumdung. Meine Social-Media-Konten liefen über, ich wurde bombardiert in einem Ausmaß, das man sich nicht vorstellen kann. Über meine dienstliche E-Mail-Adresse lief eine Morddrohung ein. Mein damaliger Chef rief mich am Abend an, um mir anzubieten, mich für einige Tage an einen sicheren Ort zu bringen."  

Markus W.: "Er inszeniert sich als Opfer (...) und das ist schwer für mich"

Umso fassungsloser machten Markus W. nun die vielfachen Andeutungen von Gil Ofarim im Dschungelcamp, außerdem habe es keine Verschwiegenheitserklärung gegeben: "Es macht mich fassungslos. Weder das Gericht noch der Videogutachter haben die Glaubwürdigkeit in Zweifel gezogen - ebenso wenig wie die Aussagen der Zeugen. Es gibt übrigens auch keinen Schweigedeal oder eine Verschwiegenheitsverpflichtung, obwohl Herr Ofarim das nahelegt. Er kann über die Vorgänge in der Lobby sprechen. Das Einzige, was er nicht wiederholen darf, ist die Unwahrheit über mich. Er hat im Zuge des Vergleichs vor Gericht eine Unterlassungserklärung abgegeben. Das bedeutet, er darf nicht mehr sagen, dass ich ihn wegen des Tragens einer Davidstern-Kette des Hotels verwiesen hätte."

Das vereinbarte Schmerzensgeld von 20.000 Euro, von dem auch schon auch Gil Ofarims Anwalt Dr. Alexander Stevens kürzlich sprach, habe Markus W. bislang nicht bekommen. Abschließend betonte er: 

Mir geht es nicht gut damit, wie er sich jetzt inszenieren konnte. Denn es hinterlässt bei mir den Eindruck, dass die öffentliche Wahrnehmung dieses Falles wieder kippt. Die Staatsanwaltschaft hat Tatsachen ermittelt, die vor Gericht Bestand hatten. Gil Ofarim hat diese Tatsachen irgendwann bestätigt, indem er sich bei mir entschuldigte und das Video löschte. Nun habe ich den Eindruck, dass alles wieder infrage gestellt wird. Er inszeniert sich wie ein Opfer, obwohl ich das bin, und das ist schwer für mich.

Verwendete Quellen: Zeit