"Hochzeit auf den ersten Blick": Werden Paare absichtlich falsch gematcht?

"Friede-Freude-Eierkuchen will niemand sehen": Ex-Kandidatinnen Kathrin und Jutta üben Kritik an der Sat.1-Show

Jutta (l.) und Kathrin (r.) heirateten in Staffel 2 und 3 von Jutta und Marko gaben sich am 15. Juli 2015 das Ja-Wort. Im März 2017 folgte die Scheidung. Am 10. Juli 2016 heiratete Kathrin bei

Am Sonntag, 17. Dezember, geht die vierte Staffel von "Hochzeit auf den ersten Blick" zu Ende - mit einer voraussichtlich mageren Bilanz. Doch woran liegt es, dass sich so viele aufwendig gematchte Paare wieder scheiden lassen? Einige Zuschauer und ehemalige Kandidatinnen glauben den Grund zu kennen. Was sie den Matching-Experten vorwerfen - und was Sat.1 dazu sagt: 

Jutta: "Kein Medikament kommt auf den Markt, das so eine schlechte Erfolgsquote hat"

Scheidung auf den ersten Blick? Man könnte es fast meinen. Denn vor dem Start der aktuellen Staffel blieben von 12 "Hochzeit auf den ersten Blick"-Ehen lediglich zwei bestehen. Und das, obwohl die Paare in einem extrem aufwendigen und langwierigen Verfahren durch drei Experten gematcht werden.

Auch in der aktuellen Staffel sieht es nicht besser aus: Bei zwei Paaren ist das Liebes-Experiment, bei dem sich die künftigen Eheleute erst im Standesamt kennenlernen, bereits gescheitert - und es dürften noch mehr werden. 

Kein Medikament kommt auf den Markt, das so eine schlechte Erfolgsquote hat. 1/6 funktioniert – die machen trotzdem weiter, natürlich. Weil die Leute es sehen wollen,

kritisiert Ex-Kandidatin Jutta im Interview mit OKmag.de.

Die 35-jährige Sozialarbeiterin heiratete in Staffel 2 Kraftverkehrsmeister Marko. Ihr Vorwurf: Es werde fahrlässig mit den Hoffnungen und Gefühlen der Teilnehmer umgegangen, um die Zuschauer zu unterhalten. "Letztlich bin ich der Meinung, was mich persönlich angeht, dass es einfach nur darum geht, Quote zu machen, indem man Paare matcht, die nicht so recht zusammenpassen", so ihre Theorie. 


©Sat.1
 

Jutta: "Es war so gewollt, damit es kracht vor der Kamera"

Schon früh sei klar gewesen, dass es zwischen ihr und Marko nicht passt und auch gar nicht passen könne. Weder intellektuell noch optisch. Das einzige, was beide verbunden habe, sei der hohe Stellenwert von Familie gewesen, so Jutta. Verliebt, das sei sie jedoch zu keinem Zeitpunkt gewesen. Letztendlich glaubt sie, dass der 36-Jährige nicht mitgemacht habe, um wirklich eine Frau fürs Leben zu finden: 

Ich weiß nicht, ob Marko auf die Aufwandsentschädigung aus war – letztlich hat er dann die geheiratet, mit der er vor der Geschichte zusammen gewesen ist, kaum war er geschieden. Das sind natürlich reine Spekulationen. Ich kenne den Menschen ja nicht wirklich, habe ihn auch nicht wirklich kennengelernt. Aber was die Experten angeht, bin ich mir ziemlich sicher, dass das so gewollt ist, damit es einfach kracht vor der Kamera.

Dabei sei der Blondine aus Münster durchaus klar gewesen, dass das Experiment auch in die Hose gehen kann: "Mir war klar, vielleicht verliebe ich mich nicht, oder er verliebt sich nicht, aber das wäre für mich okay gewesen. Aber zu sehen, dass das von vornherein gar keine Chance gehabt haben kann, das ist etwas, was für mich diesen traumatischen Effekt irgendwie ausmacht. Dass letztendlich mit Hoffnungen gespielt wurde", beklagt sie.  

"Man könnte denken, dass man gar nicht will, dass alle Paare zusammen bleiben"

Auch einige Zuschauer kritisieren bereits das Matching der Sat.1-Show in den sozialen Netzwerken.

Wie so viele durchschaut haben, gibt es immer ein Paar (das erste Paar), eins was so halb passt, eins was gar nicht passt und ein Paar, was direkt zum Scheitern verurteilt ist. Man könnte denken, dass man gar nicht will, dass alle Paare zusammen bleiben,

moniert etwa ein User auf Facebook. Dem stimmt auch Jutta zu, die sich im März 2017 scheiden ließ. Man könne die Paare jeder Staffel "in Schablonen legen", meint sie: "Es gibt immer ein Paar, wo es super klappt; das ist immer das Paar, das als erstes heiratet. Dann ist da ein Paar, wo es optisch nicht passt und ein Paar, wo es intellektuell nicht hinhaut."

Als Beispiel nennt sie auch Karin und Frank aus der aktuellen Staffel: Hier wurde ein tätowierter Motorrad-Freak mit einem Hello-Kitty-Fan zusammengewürfelt. "Da haben die Experten ja wirklich vor der Kamera gesagt: Das wird dann ein richtiges Experiment."

"Friede-Freude-Eierkuchen möchte keiner sehen"

Doch warum ist man nicht auf mehr Traumpaare in der Heirats-Show aus?

Es geht darum, dass der Zuschauer guckt. Und glückliche Paare, Friede-Freude-Eierkuchen nur möchte keiner sehen. Man möchte Action sehen. Man möchte sehen, dass Leute sich streiten, man möchte sehen, dass Leute verletzt werden. Wenn gesagt wird, dieses Format ist nicht so: Es ist so. Leider,

bilanziert die ehemalige "Hochzeit auf den ersten Blick"-Kandidatin gegenüber OKmag.de.

"In dem Moment kann da stehen, wer will - man lässt sich immer darauf ein"

Was sich viele Zuschauer fragen: Warum ist es noch nie vorgekommen, dass sich ein Paar gegen eine Hochzeit vor laufender Kamera entschieden hat? Jutta glaubt nicht, dass das jemals passieren wird. Die Gründe erklärt sie uns so:

Man ist dann so euphorisiert und hoffnungsvoll, dass man an das Scheitern nicht denkt. In dem Moment kann da glaube ich stehen, wer will, man lässt sich immer darauf ein, weil man einfach vertraut.

Marko sei überhaupt nicht ihr Typ gewesen. Im Gegenteil: "Mein erster Gedanke war: Was haben sie sich dabei gedacht? Und dann habe ich gedacht, nee, die haben sich irgendwas dabei gedacht. Aussehen ist halt nicht alles, und bisher bin ich immer auf die Fresse geflogen. Also lass' dich drauf ein. Es wird einem wirklich suggeriert, dass das das perfekte Gegenstück ist."

Kathrin: "Ich habe meine Hochzeit wie einen Film vorbeiziehen sehen"

Diese Einschätzung teilt auch Kathrin, die in Staffel 3 heiratete:

Man hat insgesamt über 6 Monate Arbeit hinter sich, um so weit zukommen. Jeder einzelne Kandidat hat so viel dafür getan, um an dieser Stelle zu stehen, die komplette Familie ist da und auch die Freunde. Die Wahrscheinlichkeit, dass jemand in dieser Situation 'Nein' sagt ist sehr gering. Ich selbst habe genau diesen Tag wie einen Film vorbeiziehen sehen, alles war so aufregend, ich kann nicht sagen, dass ich an dem Tag in der Lage war einen klaren Gedanken zu fassen. In die Realität kommt man erst nach einigen Tagen wieder zurück. Da versteht man erst, was alles passiert ist.

Aus heutiger Sicht würde sie nicht mehr im TV heiraten - auch weil sie sich falsch dargestellt fühlte. "Ich selbst sage, mit dem Wissen von heute, würde ich nicht mehr mitmachen."


©Sat.1

 

Sat.1 weist die Vorwürfe zurück

Den Vorwurf, dass gezielt nicht kompatible Paar verkuppelt werden, um den Zuschauer zu unterhalten, bestreitet Sat.1. 

Bei ,Hochzeit auf den ersten Blick‘ werden Paare gematcht, die nach wissenschaftlichen Kriterien bestmöglich zusammenpassen,

sagt Psychotherapeutin Dr. Sandra Köhldorfer auf Nachfrage von OK!.

Gute Einschaltquoten für "Hochzeit auf den ersten Blick"

Auch wenn die Erfolgsquote der Paare für die Experten bescheiden ausfällt - was die Einschaltquoten angeht, ist das Format ein voller Erfolg. So ist die vierte Staffel von "Hochzeit auf den ersten Blick" die bislang erfolgreichste. Mit 16 Prozent Marktanteil erzielte das SAT.1-Sozialexperiment am 3. Dezember 2017 den besten Wert aller Staffeln, und es wird bereits nach Kandidaten für Durchlauf 5 gesucht.

Und auch für Jutta gab es ein Happy End - allerdings abseits der Kameras. Gerade ist sie mit ihrem Freund zusammengezogen, den sie auf einem Dating-Portal kennengelernt hat. "Aber ohne Fragebögen", ergänzt sie lachend. 

Finale bei "Hochzeit auf den ersten Blick", Sonntag, 17. Dezember 2017, 17:30 Uhr in SAT.1. 

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