"Absolutes Täterparadies": Collien Fernandes macht Druck im Kampf gegen digitale Gewalt

Es warein mutiger Schritt an die Öffentlichkeit, der nun endlich Wellen schlägt. Jahrelang kämpfte Collien Fernandes  im Stillen gegen Gewalt im Netz. Die Debatte hat mittlerweile eine völlig neue Dynamik erreicht. Mit ihrer klaren Ansage "Digitale Gewalt ist reale Gewalt" deckt die Moderatorin nun schonungslos auf, warum Deutschland für sie ein "Täterparadies" ist und welche Gesetzeslücken dringend geschlossen werden müssen.

Auf Social Media wird Collien Fernandes von zahlreichen Frauen für ihren Mut gefeiert
Collien Fernandes soll ihren Ex Christian Ulmen angezeigt haben. Im Netz zeigen sich zahlreiche Frauen solidarisch mit der Schauspielerin. © Getty Images

Collien Fernandes: Ihr mutiger Kampf gegen Gewalt im Netz

Seit Jahren führt sie einen harten Kampf: Collien Fernandes (44) ist Opfer sexualisierter Gewalt im Internet geworden. Doch erst vor wenigen Wochen, als sie bekannt machte, dass der vermeintliche Täter ihr eigener Ex-Mann Christian Ulmen (50) sein soll, bekommt das Thema die nötige Aufmerksamkeit, die es eigentlich schon lange gebraucht hätte. Und endlich scheint sich etwas zu ändern …

Digitale Gewalt wird endlich sichtbar 

Dickpics, Fake-Pornos, unechte Nacktbilder, anzügliche Nachrichten, Hasskommentare: Bislang wurde digitale Gewalt oft nicht ernst genommen und unterschätzt. Dabei leiden die Betroffenen massiv und be- nötigen oft psychotherapeutische Hilfe. "Digitale Gewalt ist reale Gewalt", macht Collien in "Bild" klar.

Betroffene bekommen eine Stimme

Laut Statista haben etwa 30 Prozent der jungen Erwachsenen schon digitale Gewalt erlebt, 68 Prozent haben sie beobachtet. Die Dunkelziffer allerdings dürfte weit höher liegen. Frauen sind dabei häufiger betroffen als Männer. Collien Fernandes nutzt ihre Bekanntheit und stellt klar, dass ihre Erfahrungen kein Einzelfall sind. Sie spricht stellvertretend für viele, die sich selbst nicht trauen, öffentlich aufzutreten.

Politischer Druck wird erzeugt

Doch die Moderatorin erzählt nicht nur eine emotionale Geschichte, sie wird auch so konkret, wie kaum jemand vor ihr und benennt Probleme klar: "Deutschland ist ein absolutes Täterparadies", sagt sie. Dass sich viele Menschen mit ihr solidarisieren und für den Opferschutz eintreten, erzeugt außerdem immensen politischen Druck. 

Rechtliche Lücken werden aufgezeigt

"Mir ist einfach wichtig, darauf hinzuweisen, welche gesetzlichen Schutzlücken es gibt. Ich habe selbst Erfahrungen damit gemacht, dass man das Thema zur Anzeige bringt, diese Anzeige nicht weiterverfolgt wird", erzählt Collien. Mittlerweile gibt es konkrete Pläne für Gesetzesänderungen: So sollen unter anderem Deepfakes strafbar werden, Täter sollen leichter identifiziert und Opfer besser geschützt werden können.

Dieser Artikel von Julia Liebing erschien zuerst in der Printausgabe der OK! - alle zwei Wochen mittwochs neu am Kiosk!

Was sind eigentlich Deepfakes?

 

  • Definition: Der Begriff „Deepfake“ setzt sich aus „Deep Learning“ und „Fake“ zusammen. Es handelt sich dabei um täuschend echt wirkende Medieninhalte (Bilder, Videos oder Audioaufnahmen), die mithilfe von künstlicher Intelligenz manipuliert wurden.
  • Funktionsweise: Eine KI analysiert zahlreiches Bild- oder Tonmaterial einer realen Person und kann deren Gesichtszüge, Mimik oder Stimme auf eine andere Person übertragen.
  • Missbrauchspotenzial: Besonders im Bereich der sexualisierten Gewalt werden Deepfakes missbraucht, um etwa „Fake-Pornos“ oder Nacktbilder von Personen zu erstellen, die nie vor der Kamera standen.
  • Rechtliche Lage: Da die Technologie rasant fortschreitet, hinkt die Gesetzgebung oft hinterher. Aktuell gibt es jedoch konkrete politische Pläne, die Erstellung und Verbreitung solcher Deepfakes explizit unter Strafe zu stellen, um Opfer besser zu schützen.