Maurizio Gucci (†46): Die ganze Wahrheit über den Gucci-Mord

Gewalt in der Glamourwelt

Vor 26 Jahren erschütterte ein grausamer Auftragsmord die Mailänder High Society. Der nachfolgende Prozess hielt ganz Italien in Atem. Wir dokumentieren die pikanten Details.

Der Gucci-Mord: Ein grausamer Mordfall!

Es ist 8.30 Uhr am 27. März 1995. Die Sonne strahlt am Mailänder Morgenhimmel. Maurizio Gucci (†46), Ex-Chef des gleichnamigen Mode-Imperiums, genießt den Beginn dieses herrlichen Frühlingstages in einer Kaffeebar, dann geht er die Treppen zu seinem Immobilienbüro in der Via Palestro hinauf. Unter den Arm hat er sich ein paar Zeitungen geklemmt. Noch ahnt er nicht, dass Bilder von ihm bald deren Titelblätter zieren werden. Er begrüßt den Pförtner Giuseppe Onorato – da ruft plötzlich jemand seinen Namen. Maurizio dreht sich um. Es fallen Schüsse. Vier davon treffen den damals 46-Jährigen: drei in den Rücken, einer in die Schläfe. Maurizio sinkt zu Boden. Blut läuft die edlen Marmorstufen hinunter. Wenig später stirbt er in Giuseppes Armen. Die Attentäter – laut Pförtner waren es zwei Männer – entkommen in einem grünen Renault Clio im dichten Mailänder Straßenverkehr. Schnell sammeln sich am Tatort Journalisten und Fotografen, jeder will das beste Foto, die neusten Informationen, ein Statement der Polizei haben. Doch die tappt im Dunkeln. Wer hat Maurizio auf offener Straße erschossen? Schnell gibt es unterschiedliche Theorien: War es womöglich die Mafia? Immerhin wollte Maurizio im noblen Schweizer Ski-Hot-Spot Crans-Montana ein Casino eröffnen. Auch Spielschulden soll er gehabt haben. Doch diese Spuren laufen bald ins Nichts.

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Der Gucci-Mord: "Sucht die Killer ganz in der Nähe!"

Auch seine Ex-Frau Patrizia Reggiani gerät ins Visier der Ermittler. Doch die heute 72-Jährige übersteht jedes Verhör.Dabei hatte sie sich zuvor zehn Jahre lang einen schmutzigen Rosenkrieg mit Maurizio geliefert. 1985 hatte der seine Koffer gepackt, angeblich für eine Geschäftsreise, und war nie wieder zu Parizia und den Töchtern Alessandra (43) und Allegra (39) zurückgekehrt. Dafür hatte Maurizio fortan eine jüngere Freundin an seiner Seite, Paola Franchi. Sie ist es auch, die – nachdem die Polizei 18 Monate lang vergeblich ermittelt hatte – in einer Talkshow sagt: "Sucht die Killer nicht in der Schweiz oder sonst wo auf der Welt, sondern hier, ganz in der Nähe." Sollte der Täter also aus Maurizios nächstem Umfeld stammen? Wieder wird der Rosenkrieg mit Patrizia Thema, wieder wird sie befragt.

Der Gucci-Mord: Die Ex-Frau im Visier der Ermittler

Denn die Tochter einer Kellnerin hat schon seit Jahren einen schlechten Ruf: Geldgierig soll sie sein – und machtbesessen. Und als Maurizio die Gucci-Geschäfte in den Sand setzt und sich dann auch noch von ihr trennt, ist Patrizias Luxusleben in Gefahr. Noch dazu werden Maurizio und seine Paola zu den Lieblingen der Klatschpresse – eine Demütigung für Patrizia. Trost findet sie bei Pina Auriemma, einer Wahrsagerin. Als die Patrizia eines Tages die Karten legt, ist ihr Rat: Beseitige die Quelle deines Ärgers. Patrizia, der Maurizio zwar eine Million Lira Unterhalt im Jahr zahlt, hat noch immer Angst, dass er sein Vermögen verprassen und sie deswegen irgendwann pleite sein könnte. Wie also kann sie sich all das Geld sichern? Die Kartenlegerin Pina nimmt Kontakt zu zwei Drogendealern auf. Sie sollen Maurizio umbringen und dafür eine hohe sechststellige Summe kassieren. "Es gibt kein Verbrechen, das man nicht mit Geld kaufen könnte", schreibt Patrizia damals in ihr Tagebuch. Doch all das weiß die Polizei noch nicht, einen Auftragsmord kann man ihr erst einmal nicht nachweisen. Erst im Januar 1997 ruft ein Informant bei der Mailänder Polizei an und beschuldigt Patrizia. Jetzt wird ihr Telefon, das von Pina und anderen vermeintlichen Mitwissern abgehört – und die plaudern tatsächlich in ihren Privatgesprächen über das Verbrechen.

Der Gucci-Mord: Nach zwei Jahren endlich die Auflösung!

Als Patrizia am 31. Januar 1997 um fünf Uhr morgens wegen Anstiftung zum Mord festgenommen wird, sagt sie kaltschnäuzig: "Ich nehme an, es handelt sich um den Tod meines Mannes." Dann verlangt sie nach ihrem Nerzmantel und legt goldene Ohrclips an. Vom 1000 Quadratmeter großen Luxusdomizil geht es für sie in eine drei Quadratmeter kleine Gefängniszelle. Ein Mailänder Gericht verurteilt Patrizia Reggiani Gucci zu 29 Jahren Haft, obwohl sie nicht gesteht. Sie behauptet, die anderen Angeklagten hätten sie erpresst. Gegenseitig versucht man, sich die Schuld für den Mord in die Schuhe zu schieben. Erfolglos. Auch die Komplizen werden allesamt zu langen Haftstrafen verurteilt, Patrizias wird später auf 26 Jahre abgemildert. Nach drei Jahren will sich die "Schwarze Witwe" am Gefängnisfenster erhängen, wird aber rechtzeitig gefunden. Zweimal wöchentlich dürfen ihre Töchter sie eine Stunde lang sehen, anfangs tun sie das, dann bleiben die Besuche aus. 2016, nach 18 Jahren, wird Patrizia vorzeitig entlassen. Ein paar Jahre zuvor lehnt sie das noch ab – mit der Begründung: "Ich habe noch nie in meinem Leben gearbeitet und werde mit Sicherheit jetzt nicht damit anfangen." Wieder in Freiheit muss sie dann aber drei Jahre Sozialdienst leisten und arbeitet danach tatsächlich als Designerin und Beraterin für ein Schmucklabel. Dabei wartet auf sie ein warmer Geldregen: 2017 klagt sie die jährlichen Zahlungen aus ihrer Scheidungsvereinbarung ein. Kürzlich gibt sie dann zum ersten Mal zu, hinter dem Mord zu stecken: "Ich habe Maurizio nie gehasst, aber ich war wütend auf ihn. Das ging so weit, dass ich sogar beim Lebensmittelhändler fragte, ob sie einen Killer kennen." Reue wird sie wohl niemals verspüren.

 

Text aus der aktuellen IN-Printausgabe von Julia Liebing

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