Queen Elizabeth II. (†96): Bedeutet ihr Tod das Ende der Monarchie?

Queen Elizabeth II. (†96): Bedeutet ihr Tod das Ende der Monarchie?

Queen Elizabeths II. Tod am 8. September 2022 im Alter von 96 Jahren hat weltweit viele Reaktionen ausgelöst. Während nicht nur in Europa große Trauer herrscht, werden auch immer wieder kritische Stimmen laut - zwar meist nicht an der Queen selbst, aber an der britischen Monarchie. Wir erklären, warum die Reaktionen auf den Tod der Königin so unterschiedlich ausfallen.

Queen Elizabeth II.: Nicht alle Trauern nach ihrem Tod

Queen Elizabeth II. war die am längsten amtierende Monarchin in der Geschichte des Vereinigten Königreichs. Die Mutter von Prinz Charles, der jetzt König Charles III. ist, hatte erst am 6. Februar 2022 ihr "Platinum Jubilee" feiern dürfen, den 70. Jahrestag ihrer Ernennung zur Königin. Während ihrer langen Zeit als Königin hat sich die Welt um sie her drastisch verändert und auch die Anzahl der Länder, in denen sie Staatsoberhaupt ist, droht zu schrumpfen. Zum Zeitpunkt ihres Todes war sie noch im Vereinigten Königreich (England, Schottland, Wales, Nordirland) und in 14 weiteren Staaten und Territorien Königin. Aber: In 40 der 54 Staaten, die zum sogenannten "Commonwealth of Nations" gehören, war die Queen schon nicht mehr Staatsoberhaupt. Im November 2021 setzte Barbados die Queen als Staatsoberhaupt ab, Prinz Charles war im Namen seiner Mutter persönlich bei der Zeremonie anwesend. In Australien gab es direkt nach dem Tod Queen Elizabeths II. eine Debatte darüber, ob das Land weiter zu den Staaten gehören möchte, in denen der König das Staatsoberhaupt ist

Dass die Kritik an der Monarchie nach dem Tod von Queen Elizabeth II. noch einmal lauter als bisher werden würde, hatten viele befürchtet. Immerhin hing für viele Menschen der Respekt vor der britischen Monarchie an sich auch mit dem Respekt vor Queen Elizabeth II. zusammen. Nach ihrem Tod, so fürchtete man, könnte die Akzeptanz für das Königshaus weiter schwinden - denn in seiner Zeit als Prinz von Wales hatte sich König Charles III. so einige peinliche Fehltritte geleistet. Die Folge: Bei seinem Volk war er lange Zeit über nicht sonderlich beliebt. Schon kurz nach der Meldung, dass die Ärzte der Queen in großer Sorge um ihre Gesundheit seien und sich nicht nur Charles, sondern auch seine Söhne Prinz William und Prinz Harry auf den Weg nach Balmoral machen würden, um die Königin noch ein letztes Mal zu sehen, wurden die ersten kritischen Stimmen laut. Doch woher kommt die Kritik an der Monarchie als Staatsform und vor welchen Aufgaben steht König Charles III. jetzt?

Queen Elizabeth II.: Wird die Monarchie jetzt abgeschafft?

In Großbritannien rumort es schon länger. Vor allem die Interessengruppe "Republic" macht laut stark gegen die Monarchie Stimmung. Schon kurz nach dem Tod der Königin meldete sich Graham Smith, der Vorsitzende der Bewegung zu Wort. Dass Charles gleich zum König ausgerufen wurde, passt Graham Smith überhaupt nicht. Man brauche eine "nationale Debatte" über die Zukunft der Monarchie, forderte er zwei Tage nachdem Queen Elizabeth II. gestorben war. Immerhin seien laut einer Umfrage von "Republic" ein Viertel der Britten für die Abschaffung der Monarchie. Prinz Charles' Ernennung zum Nachfolger der Königin sei ein "Affront gegen die Demokratie", so Graham Smith. 

Ganz so radikal sehen es viele Briten nicht. Doch auch aus dem Volk gibt es durchaus Kritik am Königshaus und der Monarchie an sich. Eine Sache ist dabei aber häufig erstaunlich. So erklärt etwa Marc Tuft, der selbst nicht dafür ist, dass die Monarchie beibehalten wird: "Ich respektiere das Lebenswerk der Queen und erkenne an, dass sie sehr populär ist und verehrt wird." Vor der gerade verstorbenen Queen Elizabeth II., ihrem Dienst an ihrem Volk und ihrer Hingabe für ihre Rolle haben die meisten trotz allem Respekt - doch das gilt nun mal nicht für die Monarchie. Das liegt auch an den dunklen Kapiteln der britischen Geschichte, die auch Queen Elizabeth II. nie wirklich aufgearbeitet hat.

Queen Elizabeth II.: Bittere Kritik

Denn die Geschichte des britischen Königshauses ist natürlich eng mit der britischen Kolonialherrschaft verknüpft. In dieser Zeit wurden die britischen Kolonien ausgebeutet, die Einwohner der Staaten und Inseln unterdrückt, es gab schlimme Verbrechen gegen die Menschen dort. Schon seit Jahren gibt es Forderungen, dass dieses dunkle Kapitel der Vergangenheit endlich aufgearbeitet werden müsse. Die wurden nun auch nach dem Tod der Königin wieder laut. Der guyanische Autor Ruel Johnson schrieb auf Facebook: "Kennt die Geschichte. Man hat euch ein sorgfältig kuratiertes Bild von Tassen voll Tee, Crumpets und Corgis vermittelt, obwohl das, was existiert, auf Blut und Ungerechtigkeit aufgebaut wurde." Dieser Widerspruch schien in den Stunden und Tagen nach dem Tod der Queen noch einmal besonders deutlich zu werden. Während viele Menschen auch sehr öffentlich um die Königin trauerten, das Lebenswerk der Monarchin würdigten, machten vor allem Betroffene auch auf das Leid aufmerksam, das viele Menschen während der Kolonialherrschaft der Briten zu ertragen hatten. 

In Barbados, in dem die Queen erst seit vergangenem November nicht mehr offiziell das Staatsoberhaupt ist, gab es Proteste, als die Regierungschefs dem Königshaus offiziell ihr Mitgefühl aussprachen. In Jamaika wollten sich die Anhänger der Rastafari-Religion überhaupt nicht an der Staatstrauer, die nach dem Tod der Monarchin verhängt worden war, beteiligen. Allerdings war es ihnen wichtig zu betonen, dass ihre Kritik sich an das Kolonialsystem als solches richte, nicht an Queen Elizabeth II. persönlich.

Das sehen jedoch längst nicht alle so, manche kritisieren die Monarchin auch sehr direkt. So twitterte etwa die nigerianische Wissenschaftlerin Uju Anya: "Mögen ihre Schmerzen unerträglich sein." Der Tweet sorgte für Empörung, Twitter löschte ihn letztlich. Doch entschuldigen wollte die Autorin sich nicht. Stattdessen sagte sie über Queen Elizabeth II: "Wenn jemand von mir erwartet, dass ich irgendwas anderes als Verachtung für die Monarchin zum Ausdruck bringe, die über eine Regierung Aufsicht führte, die den Völkermord unterstützte, der die Hälfte meiner Familie massakrierte und vertrieb und dessen Folgen die heute Lebenden immer noch zu überwinden versuchen, könnt ihr weiter fromm wünschen."

Und auch die "Economic Freedom Fighters", eine dem linken Spektrum zuzuordnende Partei aus Südafrika, zeigt sich eher wenig traurig über den Tod der Königin. Auf Twitter teilte sie mit: "Wir betrauern den Tod von Elizabeth nicht, weil ihr Tod für uns eine Erinnerung an eine sehr tragische Zeit in der Geschichte unseres Landes und Afrikas darstellt.“ Die Beziehung zu Großbritannien sei „geprägt von Schmerz, Tod und Enteignung sowie der Entmenschlichung afrikanischer Völker.

Trevor Sinclair, ein ehemaliger englischer Nationalspieler fand zunächst nur wenig liebevolle Worte für die Königin. "Rassismus wurde in England in den 60ern verboten, doch es wurde erlaubt, dass er gedieh, also warum sollten schwarze und braune Menschen trauern?", schrieb er im Netz über die Monarchin. Nach einer Welle der Empörung ruderte Sinclair schließlich zurück und sprach von "schlechtem Timing". In einem weiteren Tweet schrieb er: "Es tut mir leid, wenn ich die, die um die Queen trauern, vor den Kopf gestoßen habe."

Doch die emotionalen Reaktionen gerade von nicht-weißen Menschen zeigen, wie tief der Schmerz über die Vergangenheit in vielen Ländern auch heute noch sitzt - und daran ist das Königshaus selbst nicht ganz unschuldig.

Queen Elizabeth II.: Große Fehler bei der Aufarbeitung der Kolonialgeschichte

Das größte Problem besteht laut Historikern darin, dass Queen Elizabeth II. sich nie wirklich mit den Verbrechen des Kolonialismus, die im Namen ihrer Vorfahren begangen wurden, auseinandergesetzt hat. Auch habe sie sich nicht ausreichend von Menschenrechtsverletzungen distanziert, glaubt etwa der Historiker Jürgen Zimmerer, der gegenüber dem WDR sagte: "Sie ist da unter ihren Möglichkeiten geblieben, und sie steht einfach für ein Großbritannien aus einer anderen Zeit". Kommunikationswissenschaftlerin Natasha A. Kelly sieht in Queen Elizabeth II. "eine Symbolfigur des Kolonialismus, der andauert und mit ihrem Tod nicht zu Ende geht." 

Ein Problem dabei: Die Königsfamilie profitiere nach wie vor finanziell von ihren ehemaligen Kolonien. Die Kronjuwelen sind dafür wohl der traurigste Beweis. Natasha Kelly etwa sagt, es sei "seit Jahrzehnten bekannt, dass in den Kronjuwelen Edelsteine aus kolonialen Raubzügen verarbeitet sind." Dass die Royals Profit daraus schlagen, in dem sie Eintritt verlangen, wenn man sich die Kronjuwelen ansehen will, können viele nicht so recht nachvollziehen.

Queen Elizabeth II.: Das sind Charles’ Pläne für die Monarchie 

Die Befürchtung, dass die britische Monarchie in der Zeit nach Queen Elizabeth II. auf eher wackeligen Füßen steht, gibt es schon länger. Durch ihren Tod wittern nun vor allem Gegner des Systems ihre Chance: Queen Elizabeths II. Tod ist für sie eine gute Gelegenheit, die Monarchie in Großbritannien enden zu lassen. Dass sie mit ihrem Vorhaben erfolgreich sind, gilt zwar als unwahrscheinlich, fest steht allerdings, dass auf König Charles III. schwere Zeiten zukommen. Dessen soll sich der König allerdings sehr bewusst sein. Schon seit Jahren gibt es Gerüchte, dass König Charles III. vor allem das Ziel habe, die Monarchie beim Volk wieder akzeptierter zu machen - notfalls auch auf Kosten seiner eigenen Familie. Von einer "Verschlankung" ist die Rede und davon, dass der König die Anzahl der sogenannten "working Royals", die auch durch Steuergeld finanziert werden, drastisch reduzieren will. Wenn er diesen Plan wirklich radikal verfolgt, könnte ihm das zwar bei seinem Volk enorme Sympathien einbringen, in der Königsfamilie selbst dürfte es allerdings eher für Unmut sorgen. Was konkret sich unter König Charles III. vor allem im Vergleich zu seiner Mutter Queen Elizabeth II. ändern wird, bleibt abzuwarten. Allerdings: König Charles und Prinz William haben beide schon bewiesen, dass sie bereit sind, auch im Umgang mit der Kolonialvergangenheit Großbritanniens einiges anders zu machen als die verstorbene Queen. 

Nachdem Charles schon zu seinen Zeiten als Thronfolger anerkannt hatte, dass die Sklaverei furchtbar gewesen sei, sagte auch Prinz William bei seiner Karibikreise in diesem Jahr: "Ich stimme meinem Vater, dem Prinzen von Wales, vollumfänglich zu, der in Barbados letztes Jahr sagte, dass die abstoßende Praktik der Sklaverei unsere Geschichte für immer beflecken wird."

Und König Charles III. legte noch einmal nach. In einer Rede vor den Chefs des Commonwealth sagte der damalige Thronfolger im Sommer 2022: "Ich kann nicht beschreiben, wie groß mein persönlicher Kummer über das Leid so vieler ist." Eine deutliche Anerkennung des Schmerzes, den Menschen überall im Commonwealth während der Zeit der britischen Kolonialherrschaft erfahren haben. Und auch wenn das noch nicht die Entschuldigung ist, auf die viele wohl zu Recht hoffen, ist es vielleicht doch ein Zeichen dafür, dass sich unter einem König Charles III. auch in dieser Hinsicht im Königshaus noch einmal einiges ändern könnte.

Verwendete Quellen: süddeutsche.de, fr.de, dw.com, zeit.de, zdf.de, Twitter, tagesspiegel.de, focus.de

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