Corona-Drama: "Ich habe meinen Mann ein Jahr nicht gesehen"

Schmerzhafte Trennung

Ulrike, 55, und Gerd, 67, müssen seit Beginn der weltweiten Pandemie auf Abstand zueinander gehen – alles andere könnte sehr gefährlich werden.

Corona: Das Schicksal von Ulrike und Gerd

Seit 30 Jahren sind Ulrike und Gerd verheiratet. Jahrzehnte lang hatten die beiden jede Nacht gemeinsam verbracht. Doch 2019 musste der einstige Schuhmacher in ein Wohnheim ziehen. Trotzdem sahen sich die beiden weiter täglich – bis Corona alles veränderte. "Bei Gerd wurde vor einigen Jahren Alzheimer diagnostiziert. Als sein Zustand sich verschlechterte, haben wir uns schweren Herzens dazu entschieden, räumlich getrennt zu leben. In einer speziellen Unterkunft bekommt er die Hilfe, die er braucht und ich hatte die Möglichkeit, ihn trotzdem jeden Tag zu sehen", erklärt die Frührentnerin. Für beide sei das damals das Richtige gewesen. Doch dann habe sie angefangen, diese Entscheidung zu bereuen.

Als die Pandemie begann, wurde ja alles sehr schnell abgeriegelt. Mir wurde plötzlich untersagt, meinen Mann zu besuchen. Am Anfang hat mich das alles auch sehr wütend gemacht. Doch als ich den Ernst der Lage verstanden habe, war da einfach nur noch Angst.

Ihr Gatte sei schon immer sehr anfällig für Krankheiten gewesen und habe neben seinen Gedächtnislücken auch noch mit Herzproblemen zu kämpfen. Deshalb sei die Chance sehr hoch, dass er das Virus im Falle einer Ansteckung nicht überleben würde. Ulrike will daher kein Risiko eingehen und hat sich auch im Sommer, trotz niedriger Inzidenz, nicht getraut, ihren Liebsten endlich wieder in die Arme zu nehmen. "Das ist mir einfach zu gefährlich. Ich gehe zwar nur zum Einkaufen und achte sehr darauf, dass ich niemandem zu nahe komme, aber ich bringe es trotzdem nicht übers Herz, etwas zu riskieren. Stattdessen stehe ich regelmäßig vor seinem Fenster und telefoniere dann mit ihm", offenbart sie.

 

 

Corona-Pandemie: Schmerzhafte Trennung

Dass Gerd nicht versteht, wieso sie so auf Abstand geht, mache es für sie nur noch schwerer: "Ich weiß gar nicht, wie oft ich ihm schon erklärt habe, dass ich ihm auf unbestimmte Zeit nicht näher kommen kann. Er schaut mich jedes Mal so traurig an und ich muss mich sehr zusammenreißen, nicht vor ihm zu weinen."

Als Mitte des Jahres endlich die Impfung für alle zugänglich war, schöpfte sie jedoch Hoffnung, dass bald wieder alles besser werden würde. "Ich habe mir so gewünscht, dass wir während der Feiertage in diesem Jahr wieder richtig Zeit zusammen verbringen können. Ich würde so gerne einfach nur wieder seine Hand halten. Aber die Leute halten sich ja nicht an die Regeln und nun bleibt mir nichts anderes übrig, als weiter vor Gerds Fenster zu stehen und zu hoffen, dass er mich nicht vergisst. Bis eines Tages hoffentlich wieder Normalität eingekehrt ist."

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